Liebe Oma,
wenn ich an dich denke, kommen mir viele kleine Erinnerungen in den Kopf: an den großen und den kleinen Garten, an die Früchte, die wir direkt von den Bäumen gegessen haben, an den Wohnwagen, in dem wir gespielt haben, an die Grilltage an den Fischteichen und natürlich an die großen Geburtstage, bei denen im Keller die Tischtennisplatte mit einer Tischdecke zum Esstisch umfunktioniert wurde.
Auch an die Hasen erinnere ich mich. Als Kind habe ich mit ihnen auf der Wiese am Haus gespielt. Eines Tages war plötzlich einer verschwunden und ich habe ihn durch Zufall im Keller wiederentdeckt – allerdings nicht mehr ganz so, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Bei den großen Festen gab es später dann nicht selten Hase zu essen. Für mich war das damals irgendwie völlig normal – auch wenn man über die Sache mit dem Hasen nicht unbedingt mit jedem sprechen durfte.
In den letzten Jahren hatten wir wieder viel mehr Kontakt, worüber ich mich sehr gefreut habe. Ich habe dich im Sommer regelmäßig besucht, dir den Rasen gemäht und dir immer gerne meine Hilfe angeboten. Es waren oft die kleinen Dinge, die mir dabei Freude gemacht haben – genauso wie dein unglaublich leckerer Kartoffelsalat, den ich immer besonders gerne gegessen habe.
Leider haben wir es nicht mehr geschafft, einmal gemeinsam eine Portion davon zuzubereiten. Du hast mir aber noch erzählt, wie du ihn machst. Meiner ist inzwischen auch ganz gut, aber an deinen kommt er trotzdem nicht heran. Besonders gut hat er mir immer geschmeckt, wenn ich von dir Kartoffeln aus deinem Keller bekommen habe.
Für meine Kinder wirst du immer die „Schokooma“ bleiben. Die Schokolade aus der Schublade im Wohnzimmer, aus der schon ich als Kind meine Schokolade bekommen habe, gehört für sie genauso zu dir wie für mich. Es sind genau diese kleinen Dinge, die in Erinnerung bleiben.
Von all diesen kleinen Erinnerungen werde ich noch lange erzählen können – und genau das macht einen Menschen ein Stück weit unvergessen.
Danke für alles, Oma.